Zevener Zeitung, 8. 3. 2009
Vor Lebendigkeit sprudelnd
Vernissage mit Katrin Grote-Baker in Zeven
(f.t.)„quasi primavera---fast frühling“ nennt Katrin Grote-Baker ihre Ausstellung. Ein äußerst passender Titel, denn während das schmuddelige Märzwetter die Zevener Fußgängerzone in Grautöne taucht, empfängt einen in den Räumen der FDP-Geschäftsstelle, die die Bilder der Künstlerin seit Freitag zeigt, eine warme, fröhliche, lebendige Atmosphäre. Frühlingshaft eben.
Quirlig, sprühend bunt, in warmen Farben, dagegen andere ganz ruhig und geerdet – so strahlen einem die Werke entgegen. Ähnlich wie die Künstlerin selbst, die gemeinsam mit der FDP-Bundestagsabgeordneten Ina Lenke die Gäste begrüßt. Mit lebendigen Gesten beschreibt Katrin Grote-Baker die Entstehung ihrer Bilder und die Einflüsse, die sie prägen.
Diese Einflüsse sind zahlreich, denn die gebürtige Heeslingerin ist in der Welt herumgekommen. Nach ihrem Studium in Berlin lebte und arbeitete sie in Perugia und Pisa, in Florenz und Rom, in Cambridge und Hamburg, bis sie zur Geburt ihrer Tochter 2007 wieder in die Heimat zurückkehrte. Selbst also eine Reisende, stellt sie sich in ihren Arbeiten immer wieder die Frage: „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“
Das Woher und Wohin ist ein zentraler Punkt in ihren „grünen“ Bildern. Diese zeigen ihre norddeutschen Wurzeln, sie erzählen von Weite und Offenheit, vom norddeutschen Himmel und den unendlichen Spielarten des Grün. Dafür trägt Katrin Grote-Baker immer wieder neue Schichten von Gelb, Blau und Weiß auf die Leinwand auf, um schließlich das Gefühl von Raum und Weite zu schaffen. Manchmal ganz fein, manchmal kräftiger, mal gebrochen führen ein oder mehrere Wege durch den Raum – ohne Anfang, ohne Ende. Dazu öffnen sich Türen zu weiteren Räumen.
Ganz anders und trotzdem harmonierend mit den „grünen“ Arbeiten sind die fröhlichen Farbexplosionen. Hier kommt der mediterrane Hintergrund zum Vorschein. Und auch die Arbeitsweise bei diesen spontanen, impulsiven Bildern ist eine ganz andere: „Ich weiß vorher, mit welchen Farben ich arbeiten will. Aber dann muss ich den Kopf total ausschalten und gehe innerlich in einen leeren Raum, in dem ich dem Farbspiel seinen Lauf lasse.“ Das Ergebnis: sprudelnde Lebendigkeit und positive Energie.
Die Gäste, die zu dieser Vernissage die Räumlichkeiten bis auf den letzten Platz füllen, lassen sich sofort von der Atmosphäre anstecken. „In diesen Krisenzeiten herzukommen und hier so viel Positives zu sehen und zu spüren, das ist ein Geschenk“, begeistert sich eine Kunstinteressierte und spricht dabei sicherlich für viele der Besucher, die den Abend als Frühlingsauftakt noch lange genießen.
„quasi primavera“ ist noch bis zum 15. Mai in der FDP-Geschäftsstelle in der Langen Straße in Zeven zu sehen.
Vernissage mit Katrin Grote-Baker in Zeven
(f.t.)„quasi primavera---fast frühling“ nennt Katrin Grote-Baker ihre Ausstellung. Ein äußerst passender Titel, denn während das schmuddelige Märzwetter die Zevener Fußgängerzone in Grautöne taucht, empfängt einen in den Räumen der FDP-Geschäftsstelle, die die Bilder der Künstlerin seit Freitag zeigt, eine warme, fröhliche, lebendige Atmosphäre. Frühlingshaft eben.
Quirlig, sprühend bunt, in warmen Farben, dagegen andere ganz ruhig und geerdet – so strahlen einem die Werke entgegen. Ähnlich wie die Künstlerin selbst, die gemeinsam mit der FDP-Bundestagsabgeordneten Ina Lenke die Gäste begrüßt. Mit lebendigen Gesten beschreibt Katrin Grote-Baker die Entstehung ihrer Bilder und die Einflüsse, die sie prägen.
Diese Einflüsse sind zahlreich, denn die gebürtige Heeslingerin ist in der Welt herumgekommen. Nach ihrem Studium in Berlin lebte und arbeitete sie in Perugia und Pisa, in Florenz und Rom, in Cambridge und Hamburg, bis sie zur Geburt ihrer Tochter 2007 wieder in die Heimat zurückkehrte. Selbst also eine Reisende, stellt sie sich in ihren Arbeiten immer wieder die Frage: „Woher kommen wir, wohin gehen wir?“
Das Woher und Wohin ist ein zentraler Punkt in ihren „grünen“ Bildern. Diese zeigen ihre norddeutschen Wurzeln, sie erzählen von Weite und Offenheit, vom norddeutschen Himmel und den unendlichen Spielarten des Grün. Dafür trägt Katrin Grote-Baker immer wieder neue Schichten von Gelb, Blau und Weiß auf die Leinwand auf, um schließlich das Gefühl von Raum und Weite zu schaffen. Manchmal ganz fein, manchmal kräftiger, mal gebrochen führen ein oder mehrere Wege durch den Raum – ohne Anfang, ohne Ende. Dazu öffnen sich Türen zu weiteren Räumen.
Ganz anders und trotzdem harmonierend mit den „grünen“ Arbeiten sind die fröhlichen Farbexplosionen. Hier kommt der mediterrane Hintergrund zum Vorschein. Und auch die Arbeitsweise bei diesen spontanen, impulsiven Bildern ist eine ganz andere: „Ich weiß vorher, mit welchen Farben ich arbeiten will. Aber dann muss ich den Kopf total ausschalten und gehe innerlich in einen leeren Raum, in dem ich dem Farbspiel seinen Lauf lasse.“ Das Ergebnis: sprudelnde Lebendigkeit und positive Energie.
Die Gäste, die zu dieser Vernissage die Räumlichkeiten bis auf den letzten Platz füllen, lassen sich sofort von der Atmosphäre anstecken. „In diesen Krisenzeiten herzukommen und hier so viel Positives zu sehen und zu spüren, das ist ein Geschenk“, begeistert sich eine Kunstinteressierte und spricht dabei sicherlich für viele der Besucher, die den Abend als Frühlingsauftakt noch lange genießen.
„quasi primavera“ ist noch bis zum 15. Mai in der FDP-Geschäftsstelle in der Langen Straße in Zeven zu sehen.
Katalogtext von Val Taila zur Ausstellung “KINESIS” (10.Jan.-18.Feb.2007)
Katalogtext von Val Taila zur Ausstellung “KINESIS”,
Galerie im Theresienstein, Kunstverein Hof
(10.Jan.-18.Feb.2007)
Energie und Bewegung
“Kinesis” ist ein altgriechischer Ausdruck, der beide Konzepte vereint. Kinesis ist das Thema der Austellung von Katrin Grote-Baker, die diverse Aspekte davon in der Galerie im Theresienstein zeigt. Ausgestellt sind 105 Arbeiten in verschiedenen Werkgruppen, Malerei und Grafik, von klein bis grossformatig. Farbige Phantasien strömen wild in Öl auf Leinwand und Papier. Zarte Töne wandeln durch meditative Traumlandschaften. Auch die Zeit wird in Bewegung gesetzt—eigentlich wird sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart verwirrt—denn eine Serie von Schriftarbeiten, die antike und mittelalterliche Poesie zu einem modernen Raum schafft, kommt dazu.
Wie Katrin Grote-Baker zwischen Kulturen und Ländern wandert, so wandelt sie auch in dem künstlerischen Ausdruck. Die alltäglichen Erlebnisse, die Verschiedenartigkeit, das Unbekannte, die Frage nach der Bedeutung des Lebens, bilden die Wurzel ihrer Inspiration. Sie sieht sich als Lebensforscher. Ihre künstlerische Arbeit ist eine Art persönliches und kollektives Tagebuch. Kreativität ist Lebenskraft, die gelebt werden will, also kreiert sie. Ihre Arbeiten sind ruhig und meditativ, wie auch expressiv und wild, kontrolliert und unkontrolliert.
Explosionen auf Leinwand und Papier. Explosionen von Farben, Gefühlen, Ideen, und Vitalität.
Farbspiele auf Leinwand und Papier. Viele verschiedene Farben treffen aufeinander und kreieren miteinander. Farben, die sonst nicht zueinander passen, bilden eine lebendige und kraftvolle Einheit.
Reise auf Leinwand und Papier. Die Arbeiten springen den Betrachter fast an und nehmen ihn dann sanft mit auf eine Reise, die immer wieder neu erlebt werden kann. Sie haben eine feurige Energie. Sie bewegen sich schnell und spontan. Sie inspirieren zu einer Kontaktaufnahme mit längst Vergessenem.
Code auf Leinwand und Papier. Ein moderner code, deren Aufgabe es ist, etwas Neues zu übermitteln, etwas das nicht in üblichen Worten zu fassen ist. Ein Code, der einlädt zu fantasieren, Licht zu spüren und das Unbekannte willkommen zu heissen, ohne zu wissen, wie es heisst.
Die heutige Zeit ist hektisch und leistungsorientiert. Alles muss einen Zweck haben und planbar sein. Wir Menschen haben mal wieder einen Gipfel erreicht. Unsicherheit und Angst bedrohen. Wir befinden uns in einem enormen Wandel. Das Alte erfüllt uns nicht mehr, und das Neue ist noch nicht da.
Kunst steht zu Verfügung.
(Val Taila)
Energie und Bewegung
“Kinesis” ist ein altgriechischer Ausdruck, der beide Konzepte vereint. Kinesis ist das Thema der Austellung von Katrin Grote-Baker, die diverse Aspekte davon in der Galerie im Theresienstein zeigt. Ausgestellt sind 105 Arbeiten in verschiedenen Werkgruppen, Malerei und Grafik, von klein bis grossformatig. Farbige Phantasien strömen wild in Öl auf Leinwand und Papier. Zarte Töne wandeln durch meditative Traumlandschaften. Auch die Zeit wird in Bewegung gesetzt—eigentlich wird sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart verwirrt—denn eine Serie von Schriftarbeiten, die antike und mittelalterliche Poesie zu einem modernen Raum schafft, kommt dazu.
Wie Katrin Grote-Baker zwischen Kulturen und Ländern wandert, so wandelt sie auch in dem künstlerischen Ausdruck. Die alltäglichen Erlebnisse, die Verschiedenartigkeit, das Unbekannte, die Frage nach der Bedeutung des Lebens, bilden die Wurzel ihrer Inspiration. Sie sieht sich als Lebensforscher. Ihre künstlerische Arbeit ist eine Art persönliches und kollektives Tagebuch. Kreativität ist Lebenskraft, die gelebt werden will, also kreiert sie. Ihre Arbeiten sind ruhig und meditativ, wie auch expressiv und wild, kontrolliert und unkontrolliert.
Explosionen auf Leinwand und Papier. Explosionen von Farben, Gefühlen, Ideen, und Vitalität.
Farbspiele auf Leinwand und Papier. Viele verschiedene Farben treffen aufeinander und kreieren miteinander. Farben, die sonst nicht zueinander passen, bilden eine lebendige und kraftvolle Einheit.
Reise auf Leinwand und Papier. Die Arbeiten springen den Betrachter fast an und nehmen ihn dann sanft mit auf eine Reise, die immer wieder neu erlebt werden kann. Sie haben eine feurige Energie. Sie bewegen sich schnell und spontan. Sie inspirieren zu einer Kontaktaufnahme mit längst Vergessenem.
Code auf Leinwand und Papier. Ein moderner code, deren Aufgabe es ist, etwas Neues zu übermitteln, etwas das nicht in üblichen Worten zu fassen ist. Ein Code, der einlädt zu fantasieren, Licht zu spüren und das Unbekannte willkommen zu heissen, ohne zu wissen, wie es heisst.
Die heutige Zeit ist hektisch und leistungsorientiert. Alles muss einen Zweck haben und planbar sein. Wir Menschen haben mal wieder einen Gipfel erreicht. Unsicherheit und Angst bedrohen. Wir befinden uns in einem enormen Wandel. Das Alte erfüllt uns nicht mehr, und das Neue ist noch nicht da.
Kunst steht zu Verfügung.
(Val Taila)
Donnerstag,12. Januar 2007, Hofer Anzeiger, Seite 16
GALERIE IM THERESIENSTEIN: KATRIN GROTE-BAKER
Energie und was dahinter ist
von Ralf Sziegoleit
Hof – “Open Door” heisst das Gemälde, das die Besucher im Foyer des Hofer Kunstvereins empfängt: eine freundliche, tatsächlich frisch-fröhliche Einladung fünf Quadratmeter gross aussehend wie eine Symbiose aus Impressionismus und Action –Painting. Von “Farbspielen” spricht Katrin Grote-Baker, die das Bild geschaffen hat. Von “Explosionen” spricht sie auch; im Zusammenklang der Farben explodieren, so sagt sie, Gefühle und Ideen. “Kinesis” (ein griechisches Wort, das Energie und Bewegung bedeutet) heisst die Ausstellung, in der 105 Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen zu sehen sind.
Die Malerin wurde 1968 in Zeven bei Hamburg geboren. Sie studierte Kunstgschichte in Berlin; die meisten Einzelausstellungen, die sie seit dem Jahr 2000 bestritt, fanden in Italien statt (wo sie derzeit lebt), einige auch in den USA (von dort stammt Patrick, ihr Mann). In Florenz hat sie diverse Preise, vor allem fuer ihre Grafik, erhalten. Grafische Arbeiten, kalligrafische, zeigt sie auch in der Galerie im Theresienstein. Es sind Umsetzungen berühmter Texte von Horaz (“carpe diem”) und Dante (die ersten Zeilen des “Inferno”). Schrift, so energisch wie eigenwillig zu Papier gebracht, wird eindrucksvoll zum Bild und zum Farb-Form-Ereignis – nahezu abstrakt.
Auch in ihre Gemälde “schreibt” Grote-Baker hinein, nun allerdings mit dem Graphitstift – absichtsvoll so, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, dies könne lesbar sein. Sie will, wie sie in einem Text zu den “explosiven” Bildern mitteilt, etwas übermitteln, was in Worte nicht zu fassen ist: Das Unbekannte willkommen heissen, ohne zu wissen, wie es heisst. Die Titel jedoch, mit denen sie die Resultate der spontan-vitalen Malprozesse versieht, weisen auf Bekanntes und Banales hin: ”meeting a friend”, “thinking of you”, “sunshine in my soul”. Sichtlich ist Zufall im Spiel - und Beliebigkeit auch.
Eine ihrer früheren Bilderschauen hat Grote-Baker unter dem Motto “from the other Side” präsentiert. Von der anderen Seite: Es gehe ihr vorrangig um das, was “dahinter” ist, und sie sagt, dass sie ihre Kunst auch als ”Lebensforschung” verstehe. Tiefgründig geraten ihre “Traumlandschaften”, in denen sich Blau und Grün, in vielen Schichten aufgetragen, zu einem reich struktutierten, nuancierten Grün vermischen und verdichten.
In solch undefinierter Örtlichkeit pflegt, an einer waagerechten Linie plaziert, ein Objekt (Haus?) aufzutauchen. Den Betrachter bringt es (so ein Bildtitel) “auf den Weg” – jenem, an dem die letzten, die grossen Fragen sich stellen: woher, wohin?.
“Passo e resto,come l’universo” – sich bewegen und ruhen, wie das Universum: noch ein Text, den Grote-Baker grafischer Aufarbeitung unterzieht. Aber auch ganz ohne philosophischen Anspruch äusssert sie sich gern: Bescheiden als “Liebesbriefe” tritt eine Reihe bunter Kleinformate auf, vor denen der “Leser” seiner Fantasie freien Lauf lassen mag.
Zur guten Stimmung bei der Vernissage am Mittwochabend trug Ex-Theater-Hof-Opernsänger James Clark mit elegantem Klavierspiel bei. Neu für den nun im elften Jahr agierenden Kunstverein waren auch das stilvolle Büffet und der am Treppenaufgang – vor der “Open Door” – erhobene Eintrittspreis.
Bis zum 18. Februar; donnerstags bis sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr.
Energie und was dahinter ist
von Ralf Sziegoleit
Hof – “Open Door” heisst das Gemälde, das die Besucher im Foyer des Hofer Kunstvereins empfängt: eine freundliche, tatsächlich frisch-fröhliche Einladung fünf Quadratmeter gross aussehend wie eine Symbiose aus Impressionismus und Action –Painting. Von “Farbspielen” spricht Katrin Grote-Baker, die das Bild geschaffen hat. Von “Explosionen” spricht sie auch; im Zusammenklang der Farben explodieren, so sagt sie, Gefühle und Ideen. “Kinesis” (ein griechisches Wort, das Energie und Bewegung bedeutet) heisst die Ausstellung, in der 105 Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen zu sehen sind.
Die Malerin wurde 1968 in Zeven bei Hamburg geboren. Sie studierte Kunstgschichte in Berlin; die meisten Einzelausstellungen, die sie seit dem Jahr 2000 bestritt, fanden in Italien statt (wo sie derzeit lebt), einige auch in den USA (von dort stammt Patrick, ihr Mann). In Florenz hat sie diverse Preise, vor allem fuer ihre Grafik, erhalten. Grafische Arbeiten, kalligrafische, zeigt sie auch in der Galerie im Theresienstein. Es sind Umsetzungen berühmter Texte von Horaz (“carpe diem”) und Dante (die ersten Zeilen des “Inferno”). Schrift, so energisch wie eigenwillig zu Papier gebracht, wird eindrucksvoll zum Bild und zum Farb-Form-Ereignis – nahezu abstrakt.
Auch in ihre Gemälde “schreibt” Grote-Baker hinein, nun allerdings mit dem Graphitstift – absichtsvoll so, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, dies könne lesbar sein. Sie will, wie sie in einem Text zu den “explosiven” Bildern mitteilt, etwas übermitteln, was in Worte nicht zu fassen ist: Das Unbekannte willkommen heissen, ohne zu wissen, wie es heisst. Die Titel jedoch, mit denen sie die Resultate der spontan-vitalen Malprozesse versieht, weisen auf Bekanntes und Banales hin: ”meeting a friend”, “thinking of you”, “sunshine in my soul”. Sichtlich ist Zufall im Spiel - und Beliebigkeit auch.
Eine ihrer früheren Bilderschauen hat Grote-Baker unter dem Motto “from the other Side” präsentiert. Von der anderen Seite: Es gehe ihr vorrangig um das, was “dahinter” ist, und sie sagt, dass sie ihre Kunst auch als ”Lebensforschung” verstehe. Tiefgründig geraten ihre “Traumlandschaften”, in denen sich Blau und Grün, in vielen Schichten aufgetragen, zu einem reich struktutierten, nuancierten Grün vermischen und verdichten.
In solch undefinierter Örtlichkeit pflegt, an einer waagerechten Linie plaziert, ein Objekt (Haus?) aufzutauchen. Den Betrachter bringt es (so ein Bildtitel) “auf den Weg” – jenem, an dem die letzten, die grossen Fragen sich stellen: woher, wohin?.
“Passo e resto,come l’universo” – sich bewegen und ruhen, wie das Universum: noch ein Text, den Grote-Baker grafischer Aufarbeitung unterzieht. Aber auch ganz ohne philosophischen Anspruch äusssert sie sich gern: Bescheiden als “Liebesbriefe” tritt eine Reihe bunter Kleinformate auf, vor denen der “Leser” seiner Fantasie freien Lauf lassen mag.
Zur guten Stimmung bei der Vernissage am Mittwochabend trug Ex-Theater-Hof-Opernsänger James Clark mit elegantem Klavierspiel bei. Neu für den nun im elften Jahr agierenden Kunstverein waren auch das stilvolle Büffet und der am Treppenaufgang – vor der “Open Door” – erhobene Eintrittspreis.
Bis zum 18. Februar; donnerstags bis sonntags jeweils von 15 bis 18 Uhr.
Sonnabend, 7. Oktober 2006, Zevener Zeitung, Seite 11
“Kunstwerk ist Ruhmeswerk”
Katrin Grote-Baker stellt in der Volksbank aus und Hartmut-Hans Schmidt findet die passenden Worte Zeven (hö). Ihr Katalog kommt mit kleinen Buchstaben aus. “katrin grote-baker” steht darauf. Dabei ist die, die den Katalog erstellt hat, eher eine Grosse. Gross und schlank und gut im Geschäft. Offensichtlich. Sonst würden die Werke der Katrin Grote-Baker, die seit Donnerstag in der Volksbank zu sehen sind, nicht derartig hoch gehandelt werden. Mit Preisen von bis zu über 7000 Euro.
Mit “from the other side” ist die Ausstellung überschrieben, die bis zum 3. November im Schauraum der Zevener Volksbank zu sehen sein wird. Und von der anderen Seite sind auch die Bilder der gebürtigen Heeslingerin. Aus den USA nämlich. Dort erklärt sie, seien Ihre zum Teil grossformatigen Öl- und Graphitwerke entstanden und die Verschiffung nach ¨Ubersee sei keineswegs einfach gewesen. Warum nicht, lässt die Künstlerin offen, die nebst Ehemann Patrick Baker selbst bei ihrer Vernissage zugegen war.
Wenngleich Katrin Grote-Baker keine Worte über ihre Ausstellung verlieren wollte, erfuhren die zahlreichen Besucher doch eine Menge über sie und ihre ganz eigene Art, Farbe auf Leinwand oder Papier zu bringen. Beziehungsweise über Rainer Maria Rilke und Tucholsky und Adorno. Die nämlich werden allesamt bemüht, um die Ausstellungseröffnung mit Worten zu bekleiden. Zuständig dafür war Hartmut-Hans Schmidt. Dank der FDP kein Unbekannter in der Samtgemeinde Zeven. Festgehalten hat er sich an Rilke und seinen Sonetten für Orpheus.
Katrin Grote-Baker und Hartmut-Hans Schmidt pflegen eine Affinität für Italien (Katrin Grote-Baker lebt derzeit in Florenz) und beide sind sich in der ehemaligen Weinhandlung von Wolfgang Hannen in Zeven begegnet. Beide haben offensichtlich die gleichen Vorlieben für Farben. Denn die Bilder von Katrin Grote-Baker sind gross, sie sind bunt und erinnerten so manchen Besucher an die Malkünste des Nachwuchses. “Das haben unsere Kinder im Kindergarten auch versucht”, wurden Stimmen am Rande laut. Respektvolle durchaus.
Doch die Bilder von Katrin Grote-Baker sind mehr als die Versuche von Kindergartenkindern. Sie sind Farbgewalten auf schlichtem Untergrund. Farbversuche und Mischungen gar, die sonst eher nicht miteinander harmonieren. Da trifft schrilles Türkis - kaltes dazu - auf warmes Gelb. Da treffen sattes Rot und Grün aufeinander und scheinen erst gemeinsam so richtig zur Geltung zu kommen. Da treffen sich viele Blautöne und bilden eine Einheit. So, als würden sie sich immer schon verstehen. Katrin Grote-Bakers Farbwahl ist gigantisch, die ihrer Formate auch. So wundert es nicht, dass das teuerste Bild der Schau (“open door”, Öl und Graphit auf Leinwand) 1,50 mal 3,32 Meter misst. Viel Farbe, für viel Geld eben. “Das gehört doch in ein öffentliches Gebäude”, empfand eine Besucherin. “In ein Standesamt vielleicht, das strahlt so etwas Fröhliches aus”.
Hartmut-Hans Schmidt liebt die Kunst. Die Malerei besonders, weil sie ihn den Alltag vergessen lasse, betont er. Deshalb verbindet er die Wort-Kunst eines Rilke mit der Kunst der Farben einer Katrin Grote-Baker. Schmidt sagt, Kunst lasse ihn vergessen, dass der Kommerz den Menschen “verzwecke” und auch, dass viele Dinge nicht mehr an sich geschehen, sondern in Kombination mit ganz vielen anderen. Wie Essen und Fernsehen zugleich. Oder lesen mit laufendem Radio im Hintergrund. Kunst lasse ihn auch vergessen, dass der Mensch ein Instrumentarium sei, für welche Zwecke auch immer. “Ein Kunstwerk ist Ruhmeswerk” sagt er weiter, es mache mild und zahm und öffne die Sinne für das Wesentliche. Schmidt wünscht sich einen Alltag zum Ursprung zurück, zu welchem, hat er nicht gesagt. Sicher sei für ihn lediglich, dass ihn die Kunst beruhige, zurück bringe, das Drumherum vergessen lasse – und das gleich mehrfach an diesem Abend.
Der Zufall war’s sagt Schmidt, dass er Katrin Grote-Baker kennengelernt habe. Der Zufall war es nicht, dass Katrin Grote-Baker Schmidt gebeten hat, für sie ein paar Worte zur Ausstellungs-Eröffnung in der Zevener Volksbank zu sagen. “Ich habe mich in seinen Worten widergefunden”, bedankte sich die Küntlerin anschliessend. “Ich werde von der Lebendigkeit des Lebens inspriert”, fasste sie ihre Schaffenskraft kurz zusammen. Und wer sich die Bilder der 1968 geborenen Künstlerin ansieht, glaubt ihr das ohne Umschweife.
Die Ausstellung von Katrin Grote-Baker “from the other side” ist bis zum 3. November in der Zevener Volksbank zu sehen.
Katrin Grote-Baker stellt in der Volksbank aus und Hartmut-Hans Schmidt findet die passenden Worte Zeven (hö). Ihr Katalog kommt mit kleinen Buchstaben aus. “katrin grote-baker” steht darauf. Dabei ist die, die den Katalog erstellt hat, eher eine Grosse. Gross und schlank und gut im Geschäft. Offensichtlich. Sonst würden die Werke der Katrin Grote-Baker, die seit Donnerstag in der Volksbank zu sehen sind, nicht derartig hoch gehandelt werden. Mit Preisen von bis zu über 7000 Euro.
Mit “from the other side” ist die Ausstellung überschrieben, die bis zum 3. November im Schauraum der Zevener Volksbank zu sehen sein wird. Und von der anderen Seite sind auch die Bilder der gebürtigen Heeslingerin. Aus den USA nämlich. Dort erklärt sie, seien Ihre zum Teil grossformatigen Öl- und Graphitwerke entstanden und die Verschiffung nach ¨Ubersee sei keineswegs einfach gewesen. Warum nicht, lässt die Künstlerin offen, die nebst Ehemann Patrick Baker selbst bei ihrer Vernissage zugegen war.
Wenngleich Katrin Grote-Baker keine Worte über ihre Ausstellung verlieren wollte, erfuhren die zahlreichen Besucher doch eine Menge über sie und ihre ganz eigene Art, Farbe auf Leinwand oder Papier zu bringen. Beziehungsweise über Rainer Maria Rilke und Tucholsky und Adorno. Die nämlich werden allesamt bemüht, um die Ausstellungseröffnung mit Worten zu bekleiden. Zuständig dafür war Hartmut-Hans Schmidt. Dank der FDP kein Unbekannter in der Samtgemeinde Zeven. Festgehalten hat er sich an Rilke und seinen Sonetten für Orpheus.
Katrin Grote-Baker und Hartmut-Hans Schmidt pflegen eine Affinität für Italien (Katrin Grote-Baker lebt derzeit in Florenz) und beide sind sich in der ehemaligen Weinhandlung von Wolfgang Hannen in Zeven begegnet. Beide haben offensichtlich die gleichen Vorlieben für Farben. Denn die Bilder von Katrin Grote-Baker sind gross, sie sind bunt und erinnerten so manchen Besucher an die Malkünste des Nachwuchses. “Das haben unsere Kinder im Kindergarten auch versucht”, wurden Stimmen am Rande laut. Respektvolle durchaus.
Doch die Bilder von Katrin Grote-Baker sind mehr als die Versuche von Kindergartenkindern. Sie sind Farbgewalten auf schlichtem Untergrund. Farbversuche und Mischungen gar, die sonst eher nicht miteinander harmonieren. Da trifft schrilles Türkis - kaltes dazu - auf warmes Gelb. Da treffen sattes Rot und Grün aufeinander und scheinen erst gemeinsam so richtig zur Geltung zu kommen. Da treffen sich viele Blautöne und bilden eine Einheit. So, als würden sie sich immer schon verstehen. Katrin Grote-Bakers Farbwahl ist gigantisch, die ihrer Formate auch. So wundert es nicht, dass das teuerste Bild der Schau (“open door”, Öl und Graphit auf Leinwand) 1,50 mal 3,32 Meter misst. Viel Farbe, für viel Geld eben. “Das gehört doch in ein öffentliches Gebäude”, empfand eine Besucherin. “In ein Standesamt vielleicht, das strahlt so etwas Fröhliches aus”.
Hartmut-Hans Schmidt liebt die Kunst. Die Malerei besonders, weil sie ihn den Alltag vergessen lasse, betont er. Deshalb verbindet er die Wort-Kunst eines Rilke mit der Kunst der Farben einer Katrin Grote-Baker. Schmidt sagt, Kunst lasse ihn vergessen, dass der Kommerz den Menschen “verzwecke” und auch, dass viele Dinge nicht mehr an sich geschehen, sondern in Kombination mit ganz vielen anderen. Wie Essen und Fernsehen zugleich. Oder lesen mit laufendem Radio im Hintergrund. Kunst lasse ihn auch vergessen, dass der Mensch ein Instrumentarium sei, für welche Zwecke auch immer. “Ein Kunstwerk ist Ruhmeswerk” sagt er weiter, es mache mild und zahm und öffne die Sinne für das Wesentliche. Schmidt wünscht sich einen Alltag zum Ursprung zurück, zu welchem, hat er nicht gesagt. Sicher sei für ihn lediglich, dass ihn die Kunst beruhige, zurück bringe, das Drumherum vergessen lasse – und das gleich mehrfach an diesem Abend.
Der Zufall war’s sagt Schmidt, dass er Katrin Grote-Baker kennengelernt habe. Der Zufall war es nicht, dass Katrin Grote-Baker Schmidt gebeten hat, für sie ein paar Worte zur Ausstellungs-Eröffnung in der Zevener Volksbank zu sagen. “Ich habe mich in seinen Worten widergefunden”, bedankte sich die Küntlerin anschliessend. “Ich werde von der Lebendigkeit des Lebens inspriert”, fasste sie ihre Schaffenskraft kurz zusammen. Und wer sich die Bilder der 1968 geborenen Künstlerin ansieht, glaubt ihr das ohne Umschweife.
Die Ausstellung von Katrin Grote-Baker “from the other side” ist bis zum 3. November in der Zevener Volksbank zu sehen.
Donnerstag, 5. Oktober 2006, Zeven
Zur
Ausstellungs-Eröffnung “from the other
side”
Text von Hartmut-Hans Schmidt
Für Katrin
Wann immer ich eine Bildergalerie aufsuche, geht es mir so, als ob sich in mir etwas verändert. Ich spüre innerlich, wie die Zeit stehen bleibt, während ich die Kunstwerke betrachte. Was diese Veränderung auslöst, weiß ich nicht. Aber daß es seine Ursache in den Bildern haben muß, das steht für mich fest. Es gibt nämlich keine andere Veranstaltung, bei der sich bei mir ein ähnliches Gefühl einstellt.
Ich bekenne, daß mir diese Wandlung behagt. Ein Grund, weshalb ich viele Ausstellungen aufsuche. Nur dort finde ich Ablenkung vom Alltag, auch wenn es nur für kurz ist. Allein entscheidend ist für mich, daß mir bei der Betrachtung der Kunstwerke der Blick zurück an eben noch Wichtiges oder der Gedanke an künftige Vorhaben gleichgültig wird. Außerdem sind es flüchtige Momente der Innenschau, bei denen ich versuche, mich auf eine einzige Verrichtung zu beschränken. Einfach nur schauen und zwischen mir und der Außenwelt schwere Holzportale zu wissen. Vornehmlich italienische Gemäldesammlungen sind es, die mir bei diesem Übergang helfen.
Oft habe ich mich gefragt, woher das Gefühl kommt, daß sich in solchen Momenten Gegenwart einstellt, mit einem Male Vorkehrungen für die Zukunft gegenstandslos werden, und ich Vergangenes loslassen kann. Und das doch in einer Lebenswelt, die dadurch gekennzeichnet ist, daß wir unser menschliches Dasein und unser dingliches Erleben total verzweckt haben. Wo wir, wie Adorno sagt, längst nicht mehr um unserer selbst willen da sind sondern um der Dinge willen, die wir schaffen. Was uns wirklich besorgt, ist häufig nur noch unser Stellenwert in der Gesellschaft.
Aber gibt es einen anderen Weg?
Ich will, liebe Katrin, für Dich eine Antwort versuchen, die sich aus den Sonetten an Orpheus herauslesen läßt. Orpheus ist für den großen deutschen Dichter R. M. Rilke der „Gott des Für-sich-Seins“. Darunter wird eine Form der Existenz verstanden, bei der alle Seinsäußerungen sogleich und vollständig zu seinem Urheber zurückkehren, so daß das Sein seinen Zweck in sich selber hat. Gewissermaßen einen Kreislauf vollendet, der sich in dem Auf und Ab der immerwährenden Natur widerspiegelt, indessen für den Menschen nur noch in seltenen Fällen möglich ist. Dessen Sein kehrt sich nach außen, wo es sich verliert und nicht mehr zu ihm zurückkehrt.
Dennoch sieht Rilke die Lage nicht völlig hoffnungslos - Ungeachtet der vielen Maschinen, die für ihn das Paradebeispiel der Verzweckung darstellen. Obwohl sie ihm zufolge alles Erworbene bedrohen, „solange sie sich erdreisten, im Geist, statt im Gehorchen zu sein“, hält er für uns das Dasein ja immer noch verzaubert. Er sieht „an hundert Stellen“ sogar „noch Ursprung. „Ein Spielen von reinen Kräften“. Jedoch ist dieser Raum, in dem den Dingen ein von Zwecken freies Sein zurückgegeben wird, nur dem Künstler oder dem Dichter zugänglich.
Allein sie können den Dingen ihr Für-sich-Sein, das der Mensch ihnen geraubt hat, noch zurückgeben, und zwar dadurch, daß sie rühmen. „Rühmen, das ists!“ Indem sie die Dinge in ihr Werk aufnehmen, erhalten diese ihr Für-sich-Sein zurück. Rühmung ist die Kunst schlechthin. Sie steht Orpheus nahe, da sie um ihrer selbst willen da ist. Wer rühmt, hebt die Zeit auf, so daß alles „ewig und mild“ wird. Das gilt für jede Art von Kunst, da sie für sich immer seiend ist. „Gesang ist Dasein“. Im Augenblick, wo der Künstler sein Werk schafft und das Werk ausschließlich für ihn lebt, schließt sich auch bei ihm der orphische Kreis. Denn er übt seine Kunst in einem von äußeren Zwecken freien Raum aus, in dem er zu sich selbst zurückfindet.
Im Kunstwerk wird den Dingen das Für-sich-Sein zurückerstattet. Wie es ausschaut, erfahren wir nicht, selbst dem Dichter fehlen hierzu die Worte. Uns bleibt nur die Wehmut über den Verlust des Für-sich-Seins, das früheren Gesellschaften ja noch eigen war. Was sollte uns jedoch daran hindern, uns einmal auf eine sinnliche Entdeckungsreise zu machen? Vielleicht stoßen wir dabei auf Rosenduft, der bei Rilke wie „Ruhm in der Luft“ liegt? Schließlich gilt die Rose von je her als die für sich seiende, von äußeren Zwecken freie Blume. Sie ist daher Orpheus nahe. Allerdings können wir auch ihr Für-sich-Sein nur „raten“, wobei „Erinnerung“ zu dieser vergangenen Existenzform übergeht.
Da es kein Wissen um das Für-sich-Sein der Dinge gibt, bleibt uns nur die Erinnerung, die das Kunstwerk in uns auslöst: Erinnern an schon einmal Erlebtes oder Gedachtes. Zwar hat auch diese Erinnerung ihren Ursprung in der Vergangenheit, dennoch wird sie nur in der Gegenwart erfahrbar. Immer dann, wenn wir vor einem Bild stehen und in unserer Reflexion etwas von dem archaischen Bildnis unserer selbst erkennen. Das ist dann der Moment, wo wir dem Für-sich-Sein ganz nahekommen.
Im Gegensatz zum „Maschinenmenschen“ kann nur der Künstler das Für-sich-Sein aufzeigen. „Wisse das Bild!“ fordert uns Rilke auf und meint damit, daß wir endlich begreifen, daß es noch ein Sein gibt, das ohne Verzweckung auskommt. Denn nur bei einer solchen Existenzform ist das Bewußtsein auf die eigene Gegenwart ausgerichtet. Dann ist die Zeit aufgehoben, eine „ewige Strömung“ wird möglich: Es bleibt indessen eine Vision.
Liebe Katrin! Du bist eine großartige Künstlerin. Deine Farbenspiele strahlen eine Reinheit aus, die mich immer wieder in den Bann zieht. Ich spüre unwillkürlich, daß in Deiner Malerei noch etwas um seiner selbst willen verwirklicht ist. Was auch immer es sein mag, es muß sich um ein längst vergangenes Menschsein handeln, dessen Abbild Deine Werke darstellen. Sie sind jedenfalls „Schalen mit rühmlichen Früchten“, die eine für sich seiende Existenz enthalten. Damit sind sie dem göttlichen Orpheus nahe, und weil alles, was nach den Sonetten mit Orpheus im Zusammenhang steht, ewig wird, ist auch Deine Ruhmeskunst ewig.
Text von Hartmut-Hans Schmidt
Für Katrin
Wann immer ich eine Bildergalerie aufsuche, geht es mir so, als ob sich in mir etwas verändert. Ich spüre innerlich, wie die Zeit stehen bleibt, während ich die Kunstwerke betrachte. Was diese Veränderung auslöst, weiß ich nicht. Aber daß es seine Ursache in den Bildern haben muß, das steht für mich fest. Es gibt nämlich keine andere Veranstaltung, bei der sich bei mir ein ähnliches Gefühl einstellt.
Ich bekenne, daß mir diese Wandlung behagt. Ein Grund, weshalb ich viele Ausstellungen aufsuche. Nur dort finde ich Ablenkung vom Alltag, auch wenn es nur für kurz ist. Allein entscheidend ist für mich, daß mir bei der Betrachtung der Kunstwerke der Blick zurück an eben noch Wichtiges oder der Gedanke an künftige Vorhaben gleichgültig wird. Außerdem sind es flüchtige Momente der Innenschau, bei denen ich versuche, mich auf eine einzige Verrichtung zu beschränken. Einfach nur schauen und zwischen mir und der Außenwelt schwere Holzportale zu wissen. Vornehmlich italienische Gemäldesammlungen sind es, die mir bei diesem Übergang helfen.
Oft habe ich mich gefragt, woher das Gefühl kommt, daß sich in solchen Momenten Gegenwart einstellt, mit einem Male Vorkehrungen für die Zukunft gegenstandslos werden, und ich Vergangenes loslassen kann. Und das doch in einer Lebenswelt, die dadurch gekennzeichnet ist, daß wir unser menschliches Dasein und unser dingliches Erleben total verzweckt haben. Wo wir, wie Adorno sagt, längst nicht mehr um unserer selbst willen da sind sondern um der Dinge willen, die wir schaffen. Was uns wirklich besorgt, ist häufig nur noch unser Stellenwert in der Gesellschaft.
Aber gibt es einen anderen Weg?
Ich will, liebe Katrin, für Dich eine Antwort versuchen, die sich aus den Sonetten an Orpheus herauslesen läßt. Orpheus ist für den großen deutschen Dichter R. M. Rilke der „Gott des Für-sich-Seins“. Darunter wird eine Form der Existenz verstanden, bei der alle Seinsäußerungen sogleich und vollständig zu seinem Urheber zurückkehren, so daß das Sein seinen Zweck in sich selber hat. Gewissermaßen einen Kreislauf vollendet, der sich in dem Auf und Ab der immerwährenden Natur widerspiegelt, indessen für den Menschen nur noch in seltenen Fällen möglich ist. Dessen Sein kehrt sich nach außen, wo es sich verliert und nicht mehr zu ihm zurückkehrt.
Dennoch sieht Rilke die Lage nicht völlig hoffnungslos - Ungeachtet der vielen Maschinen, die für ihn das Paradebeispiel der Verzweckung darstellen. Obwohl sie ihm zufolge alles Erworbene bedrohen, „solange sie sich erdreisten, im Geist, statt im Gehorchen zu sein“, hält er für uns das Dasein ja immer noch verzaubert. Er sieht „an hundert Stellen“ sogar „noch Ursprung. „Ein Spielen von reinen Kräften“. Jedoch ist dieser Raum, in dem den Dingen ein von Zwecken freies Sein zurückgegeben wird, nur dem Künstler oder dem Dichter zugänglich.
Allein sie können den Dingen ihr Für-sich-Sein, das der Mensch ihnen geraubt hat, noch zurückgeben, und zwar dadurch, daß sie rühmen. „Rühmen, das ists!“ Indem sie die Dinge in ihr Werk aufnehmen, erhalten diese ihr Für-sich-Sein zurück. Rühmung ist die Kunst schlechthin. Sie steht Orpheus nahe, da sie um ihrer selbst willen da ist. Wer rühmt, hebt die Zeit auf, so daß alles „ewig und mild“ wird. Das gilt für jede Art von Kunst, da sie für sich immer seiend ist. „Gesang ist Dasein“. Im Augenblick, wo der Künstler sein Werk schafft und das Werk ausschließlich für ihn lebt, schließt sich auch bei ihm der orphische Kreis. Denn er übt seine Kunst in einem von äußeren Zwecken freien Raum aus, in dem er zu sich selbst zurückfindet.
Im Kunstwerk wird den Dingen das Für-sich-Sein zurückerstattet. Wie es ausschaut, erfahren wir nicht, selbst dem Dichter fehlen hierzu die Worte. Uns bleibt nur die Wehmut über den Verlust des Für-sich-Seins, das früheren Gesellschaften ja noch eigen war. Was sollte uns jedoch daran hindern, uns einmal auf eine sinnliche Entdeckungsreise zu machen? Vielleicht stoßen wir dabei auf Rosenduft, der bei Rilke wie „Ruhm in der Luft“ liegt? Schließlich gilt die Rose von je her als die für sich seiende, von äußeren Zwecken freie Blume. Sie ist daher Orpheus nahe. Allerdings können wir auch ihr Für-sich-Sein nur „raten“, wobei „Erinnerung“ zu dieser vergangenen Existenzform übergeht.
Da es kein Wissen um das Für-sich-Sein der Dinge gibt, bleibt uns nur die Erinnerung, die das Kunstwerk in uns auslöst: Erinnern an schon einmal Erlebtes oder Gedachtes. Zwar hat auch diese Erinnerung ihren Ursprung in der Vergangenheit, dennoch wird sie nur in der Gegenwart erfahrbar. Immer dann, wenn wir vor einem Bild stehen und in unserer Reflexion etwas von dem archaischen Bildnis unserer selbst erkennen. Das ist dann der Moment, wo wir dem Für-sich-Sein ganz nahekommen.
Im Gegensatz zum „Maschinenmenschen“ kann nur der Künstler das Für-sich-Sein aufzeigen. „Wisse das Bild!“ fordert uns Rilke auf und meint damit, daß wir endlich begreifen, daß es noch ein Sein gibt, das ohne Verzweckung auskommt. Denn nur bei einer solchen Existenzform ist das Bewußtsein auf die eigene Gegenwart ausgerichtet. Dann ist die Zeit aufgehoben, eine „ewige Strömung“ wird möglich: Es bleibt indessen eine Vision.
Liebe Katrin! Du bist eine großartige Künstlerin. Deine Farbenspiele strahlen eine Reinheit aus, die mich immer wieder in den Bann zieht. Ich spüre unwillkürlich, daß in Deiner Malerei noch etwas um seiner selbst willen verwirklicht ist. Was auch immer es sein mag, es muß sich um ein längst vergangenes Menschsein handeln, dessen Abbild Deine Werke darstellen. Sie sind jedenfalls „Schalen mit rühmlichen Früchten“, die eine für sich seiende Existenz enthalten. Damit sind sie dem göttlichen Orpheus nahe, und weil alles, was nach den Sonetten mit Orpheus im Zusammenhang steht, ewig wird, ist auch Deine Ruhmeskunst ewig.
Bowstreet Gallery, Cambridge, MA (USA) I
Project Space
(19-27 Juni 2006)
Text von Addison Parks
Katrin Grote-Baker hämmert einen Farb-Code auf Leinwand. Dot-dot-dot-dash! Wie aus einem Maschinengewehr feuert es aus ihr heraus. Die Farbe fliegt von ihren Fingerspitzen auf die Oberfläche vor ihr, schneller als sie denken kann. Es sprudelt aus ihr in der Schnelligkeit der Gefühle, in der Schnelligkeit des Lebens, in der Schnelligkeit des Lichts. Das ist was ihre Malerei in die Welt bringt. Es ist dasselbe Spirit-Licht wie von ihrem Spirit-Vater Monet und dieselbe Farbe-als-Licht der deutschen Expressionisten. Katrin Grote-Bakers Leidenschaft für das Malen spiegelt die für das Leben und explodiert auf der Leinwand in dem absolutem Sieg und Ruhm mit dem Prometheus uns das Feuer brachte.
In den Räumen der Bowstreet Gallery, hat Grote-Baker eine Galeriewand mit Papierarbeiten gehängt, und zwei grosse Leinwände jeweils an die seitliche und gegenüberliegende Wand gepinnt. Was vielversprechend in den Papierarbeiten funkelte, wurde auf den Leinwänden grossgeschrieben. Kurzschrift wurde zum Epos. In den Papierarbeiten liess sie die Farbe die Richtung bestimmen, liess sich von der Farbe leiten und folgte ihr. Farbe strömte wie ein Wasserfall auf das reine weisse Papier und wurde zu Licht. Jedes Gefühl war befreit, um die Farbe und das Licht in Zeichen und Gestalt zu bringen. Amoklaufende Finger versuchten die Wasserwand, die in ihr wie ein Tsunami tobt, zu verstehen. Sie leitete diese Gefühlsquelle von einem Papier zum nächsten. Nichts konnte sie hindern. Zahlreiche Lebensgeschichten warteten aufs Erzählen. Generationen suchten ein Vertreter. Fliehende Zeit reicht nicht. Ob sie das auf die Leinwand bringt? Ob sie die Segel füllt?
War das wirklich in Frage gestellt? Das war ein Experiment. Wie ihr Ehemann Patrick Baker bemerkte, hat ein Experiment einen Gegenstand. Was versucht es zu erreichen, zu beweisen, zu untersuchen? Welche Idee soll geprüft werden? Für den Künstler ist das Leben das Experiment; der Test ist man selbst; der Beweis ist, dass wir denken und fühlen, und die Ausführung ist, dass wir schöpfen. Alles ist ein Experiment. Versagen liegt auf der Lauer. Die Künstlerin stellt sich angstfrei hin. Das ist ihr Reich. Katrin Grote-Baker hat diese beiden Wandgemälde auf Leinwand, inmitten der Galerie für alle Welt zu sehen, gemalt. Passanten wurden eingeladen, ihren Versuch durch die Bow Street Fenster zu beobachten. Wenn sie stocken würde, wären sie Zeugen ihres Versagens. Wenn sie nichts zu malen hätte, würden die Wände sie niederschreien und ihre Besiegung ausrufen. Sie nahm die Herausforderung an und schaute nie zurück. Und am Ende gab es nur noch eine einzige Frage: wo sind die anderen Wände?
Verheissung ist nicht immer sonnig. Es kann das Alleschönste sein, aber wenn wir die haben aber nicht vollziehen, ist die Welt nicht freundlich. Diese Bilder sind wunderschön. Sie sind der Garten, in dem wir wieder zu Kindern werden. Sie erfüllen die Verheissung.
(Übersetzung P.Baker)
Text von Addison Parks
Katrin Grote-Baker hämmert einen Farb-Code auf Leinwand. Dot-dot-dot-dash! Wie aus einem Maschinengewehr feuert es aus ihr heraus. Die Farbe fliegt von ihren Fingerspitzen auf die Oberfläche vor ihr, schneller als sie denken kann. Es sprudelt aus ihr in der Schnelligkeit der Gefühle, in der Schnelligkeit des Lebens, in der Schnelligkeit des Lichts. Das ist was ihre Malerei in die Welt bringt. Es ist dasselbe Spirit-Licht wie von ihrem Spirit-Vater Monet und dieselbe Farbe-als-Licht der deutschen Expressionisten. Katrin Grote-Bakers Leidenschaft für das Malen spiegelt die für das Leben und explodiert auf der Leinwand in dem absolutem Sieg und Ruhm mit dem Prometheus uns das Feuer brachte.
In den Räumen der Bowstreet Gallery, hat Grote-Baker eine Galeriewand mit Papierarbeiten gehängt, und zwei grosse Leinwände jeweils an die seitliche und gegenüberliegende Wand gepinnt. Was vielversprechend in den Papierarbeiten funkelte, wurde auf den Leinwänden grossgeschrieben. Kurzschrift wurde zum Epos. In den Papierarbeiten liess sie die Farbe die Richtung bestimmen, liess sich von der Farbe leiten und folgte ihr. Farbe strömte wie ein Wasserfall auf das reine weisse Papier und wurde zu Licht. Jedes Gefühl war befreit, um die Farbe und das Licht in Zeichen und Gestalt zu bringen. Amoklaufende Finger versuchten die Wasserwand, die in ihr wie ein Tsunami tobt, zu verstehen. Sie leitete diese Gefühlsquelle von einem Papier zum nächsten. Nichts konnte sie hindern. Zahlreiche Lebensgeschichten warteten aufs Erzählen. Generationen suchten ein Vertreter. Fliehende Zeit reicht nicht. Ob sie das auf die Leinwand bringt? Ob sie die Segel füllt?
War das wirklich in Frage gestellt? Das war ein Experiment. Wie ihr Ehemann Patrick Baker bemerkte, hat ein Experiment einen Gegenstand. Was versucht es zu erreichen, zu beweisen, zu untersuchen? Welche Idee soll geprüft werden? Für den Künstler ist das Leben das Experiment; der Test ist man selbst; der Beweis ist, dass wir denken und fühlen, und die Ausführung ist, dass wir schöpfen. Alles ist ein Experiment. Versagen liegt auf der Lauer. Die Künstlerin stellt sich angstfrei hin. Das ist ihr Reich. Katrin Grote-Baker hat diese beiden Wandgemälde auf Leinwand, inmitten der Galerie für alle Welt zu sehen, gemalt. Passanten wurden eingeladen, ihren Versuch durch die Bow Street Fenster zu beobachten. Wenn sie stocken würde, wären sie Zeugen ihres Versagens. Wenn sie nichts zu malen hätte, würden die Wände sie niederschreien und ihre Besiegung ausrufen. Sie nahm die Herausforderung an und schaute nie zurück. Und am Ende gab es nur noch eine einzige Frage: wo sind die anderen Wände?
Verheissung ist nicht immer sonnig. Es kann das Alleschönste sein, aber wenn wir die haben aber nicht vollziehen, ist die Welt nicht freundlich. Diese Bilder sind wunderschön. Sie sind der Garten, in dem wir wieder zu Kindern werden. Sie erfüllen die Verheissung.
(Übersetzung P.Baker)
Bowstreet Gallery, Cambridge, MA (USA) II
Premiera (1-19 June
2006)
Text von Addison Parks
Katrin Grote-Baker has a dream and a reality and she paints them both. The small landscape abstractions strangely enough represent the dream in the more representational manner. For starters they are predominantly green! In them we get the figure/ground. The object in the field. The house in the landscape. The home in the country. The peace. The dream.
In the works on paper we get the other extreme. Ironically they are reality; they just don’t look like it. They are the direct emotional and even intellectual response and reaction to what happens to her. They are journal. They are letters home. They are tears and laughter and rage. Ranting. Graffiti. Desperation and redemption made whole. And they take form in paint and pencil, the rawest of color and mark, put down with fingers, and scribbling, straight from the horse’s mouth.
The large canvasses are somewhere in between. They might even be some sort of compromise. The raw emotions of the paper made picture, made composition, made contemplation. These paintings, all of this work, would seem to be kindred to a Cy Twombly, the great scribbler, but that would be a rushed observation. Their true spirit father is Monet. The color and light. It is the constant from one extreme to the other. The light moves and moves us through these paintings. And the color is what talks to us, what lifts us, what carries the paintings. It makes their pleasure, and ours.
Text von Addison Parks
Katrin Grote-Baker has a dream and a reality and she paints them both. The small landscape abstractions strangely enough represent the dream in the more representational manner. For starters they are predominantly green! In them we get the figure/ground. The object in the field. The house in the landscape. The home in the country. The peace. The dream.
In the works on paper we get the other extreme. Ironically they are reality; they just don’t look like it. They are the direct emotional and even intellectual response and reaction to what happens to her. They are journal. They are letters home. They are tears and laughter and rage. Ranting. Graffiti. Desperation and redemption made whole. And they take form in paint and pencil, the rawest of color and mark, put down with fingers, and scribbling, straight from the horse’s mouth.
The large canvasses are somewhere in between. They might even be some sort of compromise. The raw emotions of the paper made picture, made composition, made contemplation. These paintings, all of this work, would seem to be kindred to a Cy Twombly, the great scribbler, but that would be a rushed observation. Their true spirit father is Monet. The color and light. It is the constant from one extreme to the other. The light moves and moves us through these paintings. And the color is what talks to us, what lifts us, what carries the paintings. It makes their pleasure, and ours.
ECO D`ARTE MODERNA, Sept./Okt.2005
Zum Titelblatt:
Katrin Grote-Baker
Eine intelektuelle, spielerische Mischung scheint das Register zu umfassen, dass man der Malerin und Grafikerin Katrin Grote-Baker attestiert.
Die junge deutsche Künstlerin hat während ihres letzten Italienaufenthalts einen interessanten Dialog eröffnet und versprochen ihn weiterzuführen. Ihr Werk beinhaltet dynamische Räume in denen Symbole und Zeichen integriert sind. Die Kommunikation dieser Zeichen lässt eine freie Betrachtung abstrakter und erinnerbarer Figuren wie eine glückliche Ader des Zusammenspiels von Technik und Imagination erscheinen.
Katrin Grote-Baker arbeitet mit Öl-Acryl-Pastellfarben, mit Kreiden und Kohle auf Papieren sowie Leinwand. Ihre „Gegenspieler“ sind: Weiss, starke Farben: das Gelb, Rot und Blau. Die Künstlerin ist aus den Regeln der Symmetrie und Geometrie geflüchtet. Ihre Formen haben bewegliche Konturen und die Kompositionen schwingen vor Energie. Konserviert in dieser fruchtbaren Expressivität liegt eine Einfachheit, die die Frische und Impulsivität der Kindheit hat.
Gleichzeitig haben sich bei Katrin Grote- Baker Wünsche zur Erneuerung und Wiedererlangung historischen Geschmack entwickelt. Das hat sie in einem faszinierenden Zyklus auf Papier gebracht. Tinte überkreuzt die Werke und verwandelt die Schrift in Zeichen, die Katrin Grote –Baker in alten Schriften gefunden und in Kalligrafiekursen erlernt hat.
Es ist nicht wichtig, dass die Worte ihren Sinn bewahren, ihr Wert liegt im Kompositorischen, was die Imagination der überzeichneten Seiten ausmacht.
Die Expansion im Raum ist befreit von Wichtigkeit und lässt die Emotionen und Impulse sowie die Kreativität von Katrin Grote-Baker „aus dem Rahmen fallen“. Doch verliert Sie nicht den Kontrollblick auf das Chaos, sie entwickelt rationale Grenzen im Wissen um eine Dimension die viel offener und magischer hinter aller Metaphysik liegt.
Roberta Fiorini
Eine intelektuelle, spielerische Mischung scheint das Register zu umfassen, dass man der Malerin und Grafikerin Katrin Grote-Baker attestiert.
Die junge deutsche Künstlerin hat während ihres letzten Italienaufenthalts einen interessanten Dialog eröffnet und versprochen ihn weiterzuführen. Ihr Werk beinhaltet dynamische Räume in denen Symbole und Zeichen integriert sind. Die Kommunikation dieser Zeichen lässt eine freie Betrachtung abstrakter und erinnerbarer Figuren wie eine glückliche Ader des Zusammenspiels von Technik und Imagination erscheinen.
Katrin Grote-Baker arbeitet mit Öl-Acryl-Pastellfarben, mit Kreiden und Kohle auf Papieren sowie Leinwand. Ihre „Gegenspieler“ sind: Weiss, starke Farben: das Gelb, Rot und Blau. Die Künstlerin ist aus den Regeln der Symmetrie und Geometrie geflüchtet. Ihre Formen haben bewegliche Konturen und die Kompositionen schwingen vor Energie. Konserviert in dieser fruchtbaren Expressivität liegt eine Einfachheit, die die Frische und Impulsivität der Kindheit hat.
Gleichzeitig haben sich bei Katrin Grote- Baker Wünsche zur Erneuerung und Wiedererlangung historischen Geschmack entwickelt. Das hat sie in einem faszinierenden Zyklus auf Papier gebracht. Tinte überkreuzt die Werke und verwandelt die Schrift in Zeichen, die Katrin Grote –Baker in alten Schriften gefunden und in Kalligrafiekursen erlernt hat.
Es ist nicht wichtig, dass die Worte ihren Sinn bewahren, ihr Wert liegt im Kompositorischen, was die Imagination der überzeichneten Seiten ausmacht.
Die Expansion im Raum ist befreit von Wichtigkeit und lässt die Emotionen und Impulse sowie die Kreativität von Katrin Grote-Baker „aus dem Rahmen fallen“. Doch verliert Sie nicht den Kontrollblick auf das Chaos, sie entwickelt rationale Grenzen im Wissen um eine Dimension die viel offener und magischer hinter aller Metaphysik liegt.
Roberta Fiorini